Das Kind hatte seine Wintermütze fast anderthalb Monate lang nicht abgenommen, doch als die Krankenschwester sie ihm abnahm, stieß es einen überraschten Laut aus.

Timur Grachev ist ein Erstklässler mit großen Augen und einer einzigartigen, fast reifen Ernsthaftigkeit. Sein Blick war intensiv, als wüsste er mehr, als sein Alter vermuten ließ. Während Katerina ihn auf dem Flur untersuchte, bemerkte sie, dass er lange Ärmel, dicke Hosen und die blaue Wintermütze trug, die er schon seit Jahresbeginn trug. Genau dieselbe. Selbst im stickigen Klassenzimmer saß sie fest auf seinem Kopf, fast bis zur Stirn gezogen.

„Timur“, flüsterte sie leise, als er das Büro betrat, „vielleicht solltest du deinen Hut abnehmen? Es ist heute wirklich warm…“

Das Kind spannte sich an wie eine Saite. Es umklammerte den Rand seines Hutes mit beiden Händen und murmelte:
– Nein… ich muss ihn tragen.

Katerina hakte nicht nach, doch innerlich stockte ihr ein Moment. Er war nicht erkältet. Er zitterte nicht. Er sah aus, als sei sein Hut sein letzter Schutzschild. Als wäre er ohne ihn viel zu schutzlos.

Die Untersuchung verlief schweigend, doch der Krankenschwester entging nicht, wie Timur jedes Mal zusammenzuckte, wenn sich der Hut auch nur leicht bewegte. Als ob ihm die Ränder Schmerzen bereiteten. Später, beim Mittagessen, fragte Katerina schließlich seine Lehrerin, Swetlana Alexejewna Lapina, eine junge, aufmerksame Frau mit ruhiger Stimme und freundlichen Augen.

„Ja, ich mache mir auch Sorgen“, gab sie zu und rührte mit einem Löffel in ihrem Kaffee. „Er nimmt ihn nicht mal im Sportunterricht ab. Im April hatte er deswegen mal einen Wutanfall. Wir verlangen ihn jetzt nicht mehr.“

– Und seit wann trägt er es?

– Nach den Frühlingsferien. Nie zuvor getragen.

Nach einer kurzen Pause fragte Katerina vorsichtig:

– Was wissen Sie über seine Familie?

Vor zwei Jahren starb meine Mutter an Krebs. Nur mein Vater und mein älterer Bruder sind noch da. Mein Vater ist ein strenger Mann; er ging zu den Elternabenden und sprach hauptsächlich über Erziehungsfragen. Mein Bruder holt Timur von der Schule ab. Der Junge selbst ist sehr still und unterhält sich nicht mit seinen Mitschülern. Er geht in der Gruppe einfach unter.

Katerinas Verdacht wuchs. Natürlich fühlen sich Jugendliche oft zu Dingen hingezogen. Doch hier steckte mehr dahinter. Schmerz. Angst. Rückzug. Eine Woche lang folgte sie Timur in den Pausen, in der Cafeteria und auf den Fluren. Seine Mütze trug er stets auf dem Kopf. Sein Ärmel war immer heruntergerutscht. Er wirkte verschlossen, als fürchtete er sich davor, erkannt zu werden.

Doch dann entdeckte sie eines Tages einen dunklen Fleck auf der Rückseite ihres Hutes. Blut. Ihr Herz sank. Katerina war nach Durchsicht von Timurs Krankenakten überzeugt, dass er keine Kopfverletzungen erlitten hatte.

Am Freitag rief sie ihren Vater an.

– Hallo, mein Name ist Katerina Melnikova und ich bin die Schulkrankenschwester. Ich möchte mit Ihnen darüber sprechen, warum Timur weiterhin eine Wintermütze trägt…

„Er weiß, dass er es muss“, sagte der Mann schnell.

Die Temperatur liegt bei fast 30 Grad. Vielleicht gibt es Hautprobleme. Allergien?

Pause.

– Das ist eine Familienangelegenheit. Geht dich nichts an. Wenn das alles ist?

– Mir ist auch ein Fleck auf dem Hut aufgefallen. Möglicherweise Blut. Gab es irgendwelche Beschädigungen?

Kleinere Schürfwunden kommen vor. Das regeln wir zu Hause. Unnötige Dinge sind nicht nötig.

Er legte auf.

Am Montagmorgen kam Swetlana Alexejewna vor Unterrichtsbeginn ins medizinische Zentrum. Ihr Gesichtsausdruck war besorgt:

Timur ist jetzt im Unterricht. Er hat Kopfschmerzen und ist den Tränen nahe. Aber er lässt mich ihm nicht den Hut abnehmen. Auf keinen Fall.

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